Der Baron von Zanzenberg

Die Schundhefte

Mit den Schundheften belebt unartproduktion unter dem Label #edition zanzenberg eine alte Form der billigen & niederschwelligen Lektüre und setzt sie für neu entstehende literarische Texte ein.

Ehrenschutz: Baron von Zanzenberg*. Herausgeber: Ulrich Gabriel.

Die neuen „Groschenhefte“ werden von wechselnden AutorInnen verfasst und illustriert, u.a. von Kurt Bracharz, Joe Gmeiner, Christian Futscher, Ulrich Gabriel, Petra Nachbaur, Ralph Saml, Margit Heumann, Stefan Bösch, Günter Köllemann, Lucia Mennel. Jedes neue Heft liegt auch in den Ärzte-Wartezimmern der Aktion „Lesen statt Warten“ von unartproduktion auf.

Das ABONNEMENT(15 Euro / 5 Hefte / portofreie Zusendung) gilt für 1 Jahr und wird nur nach erneuter Einzahlung des Abopreises, also nicht automatisch, verlängert.

Das EINZELHEFT kostet 5,00 Euro im Buchhandel, im Webshop oder bei Mailbestellung office@unartproduktion.at (zzgl. Versandkosten).

Auflage mindestens 300 pro Ausgabe. Vertrieb: Morawa, Runge, Shop unartproduktion.
*Unabhängig, garantiert subventionsfrei.

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Aktuelle Sonntagskolumne von Ulrich Gabriel:

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Spinn ich?

Veröffentlicht am 29.03.2020 07:00 von Ulrich Gabriel

Vergangenen Montag fuhr ich mit dem Auto von Dornbirn nach Wien. Das Auto wählte ich, weil den jungen Kriegsherren da oben einfallen könnte, auch noch Zug und Busse zu verbieten.

Eine literarische Erinnerung: „Jonas tritt auf die Straße. Jetzt ist keine Täuschung mehr möglich. Er ist allein. Kann ein Mensch leben, wenn die Menschen verschwunden sind? Ihre Welt und ihre Dinge sind geblieben: Straßen, Supermärkte, Bahnhöfe, alles ist leer. Jonas irrt durch Wien, durch die vertrauten Straßen, durch die Wohnungen, die ihm bekannt sind, doch nichts gibt ihm Antwort. (…) Haben die Einwohner die Stadt verlassen und sind woanders?“, schreibt Thomas Glavinic 2008 im Roman „Die Arbeit der Nacht“. Wir sind nah dran.

Ich brettere durch das sonnige Österreich. Schön, aber unheimlich. Niemand nirgends. Ist das wirklich die Sonne? Ich versuche über Deutschland zu fahren. An der Grenze hält mich ein wie ein Bankräuber maskierter, sicher gesunder, Beamter an und mullt unter der Schutzmaske: „Sie müssen durch Österreich fahren!“ Von deutschen Baulichtautos eskortiert werde ich mit zwei weiteren PKW’s wieder zurück ins leere Österreich geführt.

Wörgl, St. Johann, Bischofshofen, Salzburg. Leer die Straßen, leer die Tunnel, leer die Touristenzentren, alles leer. Das muss man sich leisten können. Ich kauf mir im leeren St. Johann einen unleeren Jack Daniels. Bleib cool. Alle 150 Kilometer einen Schluck. Es wird dunkel. Der globale Dimmer schaltet auf Sonnenuntergang. Unwirklich technisch löst Licht Licht ab. Eines bleibt wirklich: Leere Landstraßen, leere Autobahnen. rechteckige LKW-Hintern rollen ferngesteuert vor mir her, werden langsam größer, bis ich sie überhole. Ich blende auf und entdecke ein Plakat über der leeren Autobahn: „SCHAU AUF DICH, BLEIB ZUHAUSE“. Was soll das? Für wen ist dieses Paradox? „Schau auf dich, schau auf alle“. Diese smarten Staats-Werbesprüche sind zum Kotzen.

Ich grolle gegen diesen Staat, ich grolle gegen die jungen Gesundheitskriegführer. Als alle auf „JAAAA“ getrimmt waren, fragte Hitler noch pro forma: „Wollt ihr den totalen Krieg?“ Inzwischen wird Krieg ohne Fragen, ohne Jaaaa und ohne Hitler verordnet. Nachdem die Freiheit Schritt für Schritt seit Jahren weggeregelt wird, soll der Volk sich per Gesundheitskrieg an den dauerhaften Freiheitsentzug gewöhnen: 1. Übung Hausarrest. 2. Verhinderung der sozialen Kontakte. Cui bono? Wem nützt es? Das könne auch über zwei Jahre gehen, höre ich da einen Xperten sagen in den Gefälligkeitsmedien, zu denen ich auch den Kriegswerber ORF zähle. Schuld sei ein unsichtbares Tierchen. Ist das Tierchen selbst auf die Idee gekommen? Hat es jemand g‘schupft? Gut ausgedacht, wenn‘s ein Computerspiel ist. Es ist keines.

„Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt.“ (Christian Morgenstern).

jetzt erhältlich

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