Der Baron von Zanzenberg

Die Schundhefte

Mit den Schundheften belebt unartproduktion unter dem Label #edition zanzenberg eine alte Form der billigen & niederschwelligen Lektüre und setzt sie für neu entstehende literarische Texte ein.

Ehrenschutz: Baron von Zanzenberg*. Herausgeber: Ulrich Gabriel.

Die neuen „Groschenhefte“ werden von wechselnden AutorInnen verfasst und illustriert, u.a. von Kurt Bracharz, Joe Gmeiner, Christian Futscher, Ulrich Gabriel, Petra Nachbaur, Ralph Saml, Margit Heumann, Stefan Bösch, Günter Köllemann, Lucia Mennel. Jedes neue Heft liegt auch in den Ärzte-Wartezimmern der Aktion „Lesen statt Warten“ von unartproduktion auf.

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Das EINZELHEFT kostet 5,00 Euro im Buchhandel, im Webshop oder bei Mailbestellung office@unartproduktion.at (zzgl. Versandkosten).

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Unter Verwandten

Veröffentlicht am 18.06.2018 07:27 von Ulrich Gabriel

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Der britische Indologe William Jones (+1794 Kalkutta) lernte bei den Brahmanen „Sanskrit“ und erkannte als einer der Ersten unsere genetische Verwandtschaft mit der ca. 1200 v. C. entstandenen gemeinsamen Ursprache „Indo-Europäisch“.Der größte Teil der Sprachentwicklung liegt zwar im Dunkeln, Sanskrit ist aber bis heute die heilige Sprache der Hindus. Auch im Deutschen finden sich Sanskrit-Lehnwörter („ausgeliehene Wörter“) wie „Arier, Avatar, Bhagwan, Guru, Dschungel, Lack, Ingwer, Orange, Karma, Mandala, Mantra, Nirwana, Tantra, Yoga“.

Wenn eine Watzeneggerin sagt: „I hio im Huus an Guru kaporat“ (ich habe im Haus einen Guru genommen) hat sie mit Gotisch (huus), Sanskrit (guru) und Lateinisch (capere) ihre sprachgenetische Verwandtschaft offen gelegt.

Mit der Wiederbesiedelung Europas nach der letzten Eiszeit, vor rund 10.000 Jahren, soll etwa ab 3000 v. C. unsere sprachliche Entwicklung zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer begonnen haben. Da kamen indogermanische Nomaden und Viehzüchter. Bis heute lassen sich im der deutschen Sprache Relikte ausmachen. Unsere Sprach-Verwandten sind also nicht nur Dütsche und Schwizzar Alemannen sondern weit mehr.

Vor zwei Wochen fand auf dem Zanzenberg das dreitausendjährige Verwandtschaftstreffen statt. Da hörte ich, drei Finger aufs Herz, fast alle Sprachen der großen Äste des Indoeuropäischen Sprachenbaumes. Hei, da wurde usländisch palavert und geschnattert: Isländisch, Englisch, Gälisch, Norwegisch, Schwedisch, Dänisch, Friesisch, Niederländisch, Platt, Alemannisch, Schwäbisch, Bairisch auf dem ersten Ast. Daneben auf dem zweiten schnabelten sie Spanisch, Katalanisch, Portugiesisch, Französisch, Rätoromanisch, Rumänisch, Italienisch. Ein Kardinal aus dem Vatikan brummelte Lateinisch. Vom Osten her landeten slowakische, tschechische, polnische, ukrainische, weissrussische, lettische, litauische, russische, slowenische, kroatische, serbische, mazedonische und bulgarische Schnäbel auf dem dritten Ast. Bulgarisch, Griechisch, Kurdisch, Ossetisch, Persisch, Paschtu, Panjabi, Pamirisch, Nepali, Urdu, Hindi, Belutschisch, Sindhi, Marathi, Assam, Bengalisch, (Singhalisch) klangen wie aus Tausendundeinernacht auf dem vierten Blätterwerk. Auf Ast fünf und sechs quakte es Albanisch und Armenisch. So viele Schnäbel, so viele Verwandte. (Hoffentlich bleiben nicht alle). Ein großes Fest der Sprachen und Kulturen! Alles war da. Nur das Ländlä-Radiodio fehlte. Der ORF gab in Schruns den Quotenschnabel. Mit Großaufwand. Darum war dort auch Wallners Bernhardiner live dabei und knurrte weinerlich ins Mikro, dass er nicht singen könne. Klementine strahlte ihr Happy-Face ins V-heute. Zum Glück kam die Peinlichkeit um Kultur nach Acht nur im Radiodiolä und keiner hat‘s gehört.

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