Der Baron von Zanzenberg

Die Schundhefte

Mit den Schundheften belebt unartproduktion unter dem Label #edition zanzenberg eine alte Form der billigen & niederschwelligen Lektüre und setzt sie für neu entstehende literarische Texte ein.

Ehrenschutz: Baron von Zanzenberg*. Herausgeber: Ulrich Gabriel.

Die neuen „Groschenhefte“ werden von wechselnden AutorInnen verfasst und illustriert, u.a. von Kurt Bracharz, Joe Gmeiner, Christian Futscher, Ulrich Gabriel, Petra Nachbaur, Ralph Saml, Margit Heumann, Stefan Bösch, Günter Köllemann, Lucia Mennel. Jedes neue Heft liegt auch in den Ärzte-Wartezimmern der Aktion „Lesen statt Warten“ von unartproduktion auf.

Das ABONNEMENT(15 Euro / 5 Hefte / portofreie Zusendung) gilt für 1 Jahr und wird nur nach erneuter Einzahlung des Abopreises, also nicht automatisch, verlängert.

Das EINZELHEFT kostet 5,00 Euro im Buchhandel, im Webshop oder bei Mailbestellung office@unartproduktion.at (zzgl. Versandkosten).

Auflage mindestens 300 pro Ausgabe. Vertrieb: Morawa, Runge, Shop unartproduktion.
*Unabhängig, garantiert subventionsfrei.

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Aktuelle Sonntagskolumne von Ulrich Gabriel:

Das
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Linksbalance rechts

Veröffentlicht am 17.02.2019 07:00 von Ulrich Gabriel

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Verwendungszweck: "Schund 18"
Empfänger: unartproduktion

Bisher ist nicht allzuviel über Sepp bekannt. Vielleicht kennen Sie ihn? Hat jemand über ihn schon was gehört? Nein? Na gut, dann fang ich einfach an zu erzählen, was ich über ihn weiß. Sepp hat’s mit der Balance. Ein Zweibeinerproblem. Eines Morgens spürte er beim Anziehen ein leichtes Reißen im Rücken. Er versuchte gerade die Socke über den linken Fuß zu ziehen. Sepp begann mit dem Anziehen immer ganz unten und setzte im Zustand der Nacktheit (aaso nackiga) seine Bekleidung sukzessive nach oben fort. Als er im Begriffe war, im Stehen die Socke über die Zehen zu ziehen, merkte er, dass er die falsche Socke erwischt hatte. Genau in diesem Augenblick schockte ihn ein leichter Schmerz im Kreuz knapp über dem Becken. Seine verkrümmte Haltung und der Blitzgedanke der falschen Socke führten zum Rückenschmerz. Sepp startete neu, mit dem ehrgeizigen Plan, beide Socken im Stehen anzuziehen, womit wir beim Thema der Balance sind. Will vielleicht jetzt jemand von Ihnen etwas Politisches beitragen? Nein? Dann setze ich fort. Im Stehen Socken überzustreifen ist keine einfache Sache, wenn man wenig Sport macht oder wie Sepp keinen. Weder Schifahren noch Radfahren noch Pilates, was ist das überhaupt, noch Volleyball, Fußball schon gar nicht, auch nicht dieses blöde Wandern, eine selten ziellose Fortbewegungsart. Sepp ging auch nicht schwimmen ins Hallenbad. Er schwamm im Leben ständig hin und her, ohne jemals anzuschlagen. Dafür musste er ständig ausweichen, wenn eine ehrgeizige Brustschwimmerin seine Spur kreuzte oder ein Rückenschwimmer ihm entgegenplantschte und ihn zu erschlagen drohte. Sepp spielte auch nicht Tennis oder Golf und Joggen hielt er für eine ästhetische Sünde gegenüber der Natur. Sepp war von unveränderlicher Statur (gstärrig). Lieber einmal zu Fuß einen Döner holen statt mit dem Opel. Noch immer nackt, hob er das linke Bein, indem er es abwinkelte, holte seinen Fuß zu sich herauf und balancierte, klingt wie bilanzierte, auf dem rechten, so gut es ging. Es ging gar nicht gut. In der linken Hand hielt er einsatzbereit die linke geöffnete Socke, mit der rechten Hand spannte er das Öffnungsloch weit auf und kam der zitternd aufsteigenden Fußspitze gebückt entgegen, um blitzartig die Socke über den Fuß zu ziehen. Das war der Plan. Er gelang nicht, Sepp verlor das Gleichgewicht. Ständig verlieren Menschen unverhofft das Gleichgewicht. Täglich kommen Millionen aus der Balance, versuchen sie wieder herzustellen, humpeln, bleiben stehen oder hüpfen auf einem Bein lächerlich herum, starten ständig neu.

Die Lehre: Socken zieht man im Sitzen an. Es schaut nicht sehr souverän aus wegen einer linken Socke rechts die Balance zu verlieren.

jetzt erhältlich

BvZ Schundheft Nr. 23 "Ein neuer Antrag..."
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