Der Baron von Zanzenberg

Die Schundhefte

Mit den Schundheften belebt unartproduktion unter dem Label #edition zanzenberg eine alte Form der billigen & niederschwelligen Lektüre und setzt sie für neu entstehende literarische Texte ein.

Ehrenschutz: Baron von Zanzenberg*. Herausgeber: Ulrich Gabriel.

Die neuen „Groschenhefte“ werden von wechselnden AutorInnen verfasst und illustriert, u.a. von Kurt Bracharz, Joe Gmeiner, Christian Futscher, Ulrich Gabriel, Petra Nachbaur, Ralph Saml, Margit Heumann, Stefan Bösch, Günter Köllemann, Lucia Mennel. Jedes neue Heft liegt auch in den Ärzte-Wartezimmern der Aktion „Lesen statt Warten“ von unartproduktion auf.

Das ABONNEMENT(15 Euro / 5 Hefte / portofreie Zusendung) gilt für 1 Jahr und wird nur nach erneuter Einzahlung des Abopreises, also nicht automatisch, verlängert.

Das EINZELHEFT kostet 5,00 Euro im Buchhandel, im Webshop oder bei Mailbestellung office@unartproduktion.at (zzgl. Versandkosten).

Auflage mindestens 300 pro Ausgabe. Vertrieb: Morawa, Runge, Shop unartproduktion.
*Unabhängig, garantiert subventionsfrei.

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Aktuelle Sonntagskolumne von Ulrich Gabriel:

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Die #Metoodistinnen

Veröffentlicht am 12.11.2017 07:00 von Ulrich Gabriel

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Verwendungszweck: "Schund 15"
Empfänger: unartproduktion

„Am Bergle döt domma, döt stoht a wiiße Gaiß. I hea se wella mealka, do git sie mir eis. Dulli dullli dulli dulli du.“ (Alemannisches Volkslied)

Auf dem Berg lockt das weiße Weib (Wib). Sie scheint, sich anzubieten. Das unbefleckte Weiß gleißt, schimmert, spiegelt sich im Wasser des Alpbachs. Ihre anziehende Erscheinung weckt den volltrunkenen Faun (Ma), der im Nachthimmel etwa folgende Sätze Arno Schmids vor sich hin brabbeln könnte:

„Mein Leben ? ! : ist kein Kontinuum! (nicht bloß Tag und Nacht in weiß und schwarze Stücke zerbrochen ! Denn auch am Tage ist bei mir der ein Anderer, der zur Bahn geht; im Amt sitzt; büchert; durch Haine stelzt; begattet; schwatzt; schreibt; Tausendsdenker; auseinanderfallender Fächer; der rennt; raucht; kotet; radiohört; ‘Herr Landrat’ sagt: that’s me!) ein Tablett voll glitzender snapshots.“ („Aus dem Leben eines Fauns“, Kurzroman, 1953)

Der trunkene Faun (Ma), laut Wikipedia „Schrecken aller Nymphen und Erdentöchter“, streift in Erfüllung seines Fatums durch die Nacht. Er erliegt dem Trugbild am Berge und meint in einer Mitarbeiterin der Europäischen Volkspartei „Diana im Bade“ zu sehen. Das Schicksal nimmt einmal mehr seinen längst abgesteckten Lauf. Er erliegt der Versuchung, das Bild begreifen zu wollen. Das Bild aber erlischt, sowie es begriffen wird. Diese uralte Fehleinschätzung erzürnt die Göttin Diana, und lässt sie ihre überlieferte Rolle als „Beschützerin der Frauen und Mädchen“ wahrnehmen. Die Ereignisse überstürzen sich. Sie verwandelt den Faun in einen Hirsch, der vier Jahre umherirren muss, um von Profil & Falter öffentlich erlöst zu werden.

„Und wia i sie I hea wella mealka, do hots mir eis gea. Jetzt melk i mina Lebtag ko wiiße Gaiß meh. Dulli dullli dulli dulli du.“

4 Jahre vergehen. Diana badet weiter, der Hirsch röhrt Richtung Parlament, die EVP’lerin sinnt auf Genugtuung, die Story wird Handelsware & als sexuelle Belästigung medial aufgedeckt & gut verkauft. Jetzt kosts was. Wem nützts?

Die Männer (Mää) stehen inzwischen unter schärfster Beobachtung der #Metoodistinnen, dieser neuen US-amerikanischen Einweg-Kampfbewegung, die alte Hirsche abschießen, indem sie die Geschehnisse ´“bei Bedarf öffentlich“ machen (Alfred Fuchs in der VN), sie bepreisen, um … ja was denn eigentlich … zu erreichen? Den Faun auszurotten? Glaubt man Bert Brecht, sind Faune (Mä) leicht zu jagen: „Er soll den Tag nicht vor dem Abend loben, denn bevor es Nacht wird, liegt er wieder droben.“ (Ballade von der sexuellen Hörigkeit, Brecht/Weill)

„Und rosarote Öpfl und zuckorsüöße Schnitz und Meiggana sind eappas und Buaba sind nix.“ Früher wurde die Strofe umgekehrt gesungen. Dulli du.

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